Weltmeisterin Svenja Reimers boxte sich von Sieg zu Sieg – bis sie an ihre Grenzen stieß. Heute hört sie auf ihren Körper.

Als ich zum ersten Mal Bruce Lee und Jackie Chan im Fernsehen gesehen habe, wusste ich sofort, das will ich auch können“, sagt Svenja Reimers und schmunzelt. 14 Jahre alt war sie, als sie ihre Leidenschaft für den Kampfsport entdeckte, angespornt von den ­legendären Leinwandhelden. Erst probierte sie Jiu Jitsu, eine Kampfkunst der japanischen Samurai, anmutig, defensiv. Mit 16 nahm sie ihre ersten Kickboxstunden. Bereits ein Jahr später stieg sie ins Nationalteam auf. „Doch eigentlich ging es erst mit 24 so richtig los“, sagt Reimers.

Ihr Ehrgeiz wurde größer, ihr Training intensiver. So oft sie konnte, nahm sie an Wettkämpfen teil, trainierte oft an sechs Tagen die Woche. Reimers gewann mehr und mehr Turniere. 2002 holte sie ihren ersten Weltmeister­titel, weitere Titel folgten. Reimers boxte sich von Sieg zu Sieg.

Bis ihr Körper plötzlich schlappmacht: Mit Verdacht auf Schlaganfall und Hirnhautentzündung kommt sie ins Krankenhaus – „eine schlimme Zeit“, sagt Reimers. „Allerdings wurde mir dadurch klar, dass ich sämtliche Warnsignale einfach überhört hatte.“ Trotzdem nimmt sie noch an Wettkämpfen teil. 2006 schließlich der Wendepunkt, Reimers gibt ihrem Körper eine Pause vom Kampf. Die Regeneration dauert sechs Jahre. Erst hadert die leidenschaftliche Sportlerin noch damit, wünscht sich, sie könnte mehr Zeit auf der Matte verbringen. Heute weiß sie, wie wichtig es ist, geduldig zu sein und auch mal eine Pause einzulegen: „Wenn ich mich nicht wohlfühle, dann höre ich auf meinen Körper und gehe nicht trainieren“, sagt Reimers.

Das dazu gewonnene Bewusstsein für die richtige Balance gibt die Sportlerin heute weiter – als Bundestrainerin im Nationalteam und als Trainerin der Golden Hornets im Lübecker Budokan Verein. „Für einige Schüler bin ich schon so etwas wie eine Ersatzmama“, sagt Reimers, selbst alleinerziehende Mutter. Ihr Training sei ziemlich hart, aber man könne immer eine Pause machen. Überhaupt gehe es beim Kickboxen nicht darum, jemanden k. o. zu schlagen. Vielmehr würden die Punkte anhand der Trefferfläche gezählt. Neben dem Training tritt Reimers selbst wieder an und gewinnt in Serie Bronze, Silber und Gold: im August 2014 WM-Titel in London, im Oktober 2016 Titelverteidigung in Dublin. Anfang November fliegt die Leichtkontakterin in die USA, um sich den sechsten WM-Titel zu holen. Wir drücken die Daumen!

Weitere Infos: www.budokan-luebeck.de, www.goldenhornets.de